Forschungsgemeinschaft elektronische Medien e.V.

Science, I film you

Neues Semester und gleich mal was komplett Neues. Denn mitten im April feiert das bc-Studentencafé seinen 29ten Geburtstag und wie alle Teile der Ilmenauer Studentenclubs, hat man sich eine ganze Woche Sonderprogramm zu diesem Anlass gegönnt. Und so hat man sich mit der Unibibliothek zusammengetan um etwas Neues aus zu probieren und zwar den ersten ilmenauer Science Slam. Doch was ist das: "Science Slam"? - Nun ja, an sich eine Abart des schon recht etablierten Poetry Slams. Mehrere Teilnehmer treten in an einem Abend gegeneinander um die Gunst des Publikums an, welches am Ende dann den Sieger kürt. Der große Unterschied zum normalen Poetry Slam liegt dabei auf der geschickten Einflechtung von wissenschaftlichen Erklärungsmethoden für die größeren und kleineren Phänomene des Alltags oder auch andersherum, ultrakomplexe hardcore Forschungsschwerpunke durch griffige Vergleiche mit dem realen Leben verständlich und obendrein noch möglichst unterhaltsam rüber gebracht. Und da so was immer cool ist, hat uns das Café gefragt ob wir nicht Laune haben, den Abend aufzuzeichnen und parallel ins Interweb zu ballern. Da haben wir uns natürlich nicht allzulange bitten lassen und geschaut wie und mit welchem Aufriss wir das Ganze abdecken wollen. Wer sich auf den üblichen Videoportalen im World Wide Web schon mal in die Kategorie Slam verirrt hat, wird obendrein auch wissen, dass wir im Minimalfall mit einer Kamera und brauchbarem Ton schon konkurrenzfähig gewesen wären, aber rasch zeigte sich das die Begeisterung im Team deutlich größer war als erwartet und wir so mit schwereren Geschützen auffahren konnten.

Gute Planung ist das halbe Event

Die letzte Veranstaltung die wir im Oktagon gefilmt hatten war eine Aufführung des Theaterleiter Theaters in einem der Größeren Gruppenarbeitsräume. Daher entschlossen wir uns das ganze im Vorfeld lieber noch einmal vor Ort zu begutachten und auch gleich mit den Veranstaltern abzuklären was wie wo geplant ist für den Abend. Dabei biete der Hauptlese- und Recherchebereich der Unibib mit seinen drei Ebenen ganz eigenen Herausforderungen. Die Bühne und die Slammer sollten sich auf der untersten Ebene vor der Treppe befinden. Am "Treppenhaus" über ihnen dann die Leinwand. Die Beschallung wird sich ca.  in der Mitte des Raumes befinden und von einem Mitarbeiter der Bibliothek bedient werden. Beim Licht hat man sich auf der Bedingten Möglichkeiten der Anlage für Dunkel mit einem Verfolgerscheinwerfer und ein paar hübschen farbigen LED Akzenten festgelegt. Strom und Netzwerk gab es an fast jeder Ecke in der Bibliothek, eine kurze Mail an die netten Kollegen vom Rechenzentrum und schon lag am Montag die passende Konfiguration für uns an. Bei den Kamerastandorten entschieden wir uns für vier Perspektiven. Die übliche Totale und eine an ähnlicher Stelle Positionierte 2te Kameras für Detailaufnahmen, bildeten die Sicherheitsperspektiven und wurden von uns am Geländer auf dem Zwischengeschoss Positioniert. Unten im Erdgeschoss gab es dann noch zwei weitere Kameras, die eine direkt im Publikum sitzend um den Zuschauer das mittendrin statt nur dabei Gefühl zu vermitteln und eine zweite auf der Linken Flanke um sich um alle Verrücktheiten zu kümmern die der Bildregie so in den Kopf kommen mögen. Das Signal vom Beamer entschieden wir uns bewusst nicht abzugreifen, da wir den Typischen Slam-Look haben wollten. Außerdem lässt sich sonst auch die Route des Laserpointers oder anderer Hilfsmittel schlecht daheim am Bildschirm verfolgen.
Beim Audio war die Hauptherausforderung die Übersicht über die beiden Stageboxen zu behalten. Die erste wurde als Splitt für Ü-Wagen und Beschallung der Mikrofonen zu fungieren. Die Zweite im Zwischengeschoss diente als Input für unsere Zusätzlichen Atmomikrofone und wir gewohnt fiel bei beiden noch auf ein Paar der Outputkanäle der Intercomring für die Kameraleute heraus, so das wir hier wieder etliche hundert Meter analoge Audioleitung bis zum Ü-Wagen durch zwei dünne Cat-5 Kabel und dem darüber laufenden digital Multicore ersetzen konnten.
Fehlte noch die Standortwahl für unsere Betsy. Hier entschieden wir uns dann auf die Fensterfront vorm Zwischengeschoss in Richtung Straße. Wodurch wir vermuteten das Kabelchaos am besten unter Kontrolle zu bekommen. Nachdem dies alles im Kopf klar war packten wir alles in einen möglichst verständlichen Aufbauplan, der als Spickzettel bequem in jede Tasche faltbar war.

Broadcastler assemble

Und dann war es auch schon soweit, der Montag Nachmittag war da und die Gang der fleißigen Helfer versammelte sich im Office. Ruck Zuck war die Technik im Fahrzeug auch ohne große Tetris einlagen verstaut und der lange Marsch zu Unibibliothek konnte losgehen. Ein paar Minuten Fußmarsch später standen wir dann vor der heutigen Eventlocation und klärten erst mal die ersten kleineren Missverständnisse des Tages. So hatte unser Fahrer verstanden das er auf den Parkplatz direkt vor Haupteingang parken soll und die Mitarbeiter waren schon fleißig auf der Suche um den Schlüssel für die Poller der Feuerwehreinfahrt zu suchen. Nachdem sich das aber geregelt hatte war die elektronische Schranke zum eigentlichen unteren Parkplatz im nu Offen. Nach einer kurzen Aufgabenverteilung gings dann auch schon los und alle schwärmten aus. Unseren Leuten die zum allerersten Mal an einer solchen Veranstaltung mitwirkten stellten wir erfahrener Mitglieder zur Seite die ihnen alles in Ruhe erklärten was für den Anfang wichtig ist. Die größte Herausforderung war für uns der möglichst lautlose Aufbau, denn die Bibo hatte ja noch gut drei Stunden geöffnet so das wir den fleißigen Studenten bei ihren Recherchen nicht zu sehr die Konzentration versauen wollten. Auch war es hier und da doch kniffeliger als gedacht die Orientierung zu bewahren in welcher der drei Etagen man sich gerade befand und wo nun der schnellste Weg zurück zum Ü-Wagen oder von draußen zur jeweiligen Kamera führte. Bis auf Kleinigkeiten verlief der Aufbau aber ohne Probleme. Wie üblich dauerte die Konfiguration und das Testen von Signalwegen innerhalb des Wagens oder der Tallyleitungen fürs Rotlicht am längsten. Auch trieben wir zwischenzeitlich unseren Tonmenschen an den Rand der Verzweiflung da das Routing des Intercoms an Pult und Stageboxen stimmte aber an den Kameras selbst einige Dinge falsch eingestellt waren.

Plötzlich steht man vor verschlossenen Türen

Gut eine Stunde vorm Beginn der Veranstaltung trudelten dann die ersten Zuschauer ein. Und von da an schien der stetige Strom kein Ende zu nehmen. Als die Sonne langsam in Richtung Manebach hinter den Bergen verschwand und wir die letzten Handgriffe vornahmen stauten wir nicht schlecht als wir plötzlich vor verschlossenen Türen standen. Der Andrang an Publikum war so enorm das ein Einlaßstopp veranlasst werden musste da die Bibliothek schlicht bis auf den letzten Platz voll war. Aber nachdem die Helfer im Eingang uns als Filmcrew erkannt hatten ging es dann doch schnell wieder ins innere. Aber nicht nur im inneren drängten sich die Zuschauer auch in unserem Stream wurde es kuschelig mit weit über Einhundert Clients im Schnitt. Trotz des großteilig positiven Feedback kommt es natürlich auch hier und da vor das bei einigen Leuten Probleme auftreten beim online schauen. Aber diesen sei an der Stelle gesagt, wir nehmen uns euer Feedback zu Herzen und versuchen die Schwachstellen in unserem fast vollständig auf opensource und eigenem Hirnschmalz basierten Infrastruktur zu finden und zukünftig zu verbessern um kontinuierlich noch besser zu werden. Aber so etwas dauert in einem Verein und mit der immer größer werdenden Vielfalt an Browsern, mobilen oder klassischen Endgeräten und deren jeweiligen Versionen immer eine Weile.
Ein paar Minuten nach dem geplanten Start 20:30 geht es dann auch los, die Moderationen betreten die Bühne und erörtern die Veranstaltung und den Ablauf. Nach der Auslosung der Reihenfolge geht es dann auch los mit dem Ersten der Sieben Slammern. Die sind in ihrem akademischen Titeln auch bunt gemischt, vom einfachen Bachelorstudent bis hin zum Pro.Dr. ist alles vertreten. Jeder hat Zehn Minuten Zeit sein Thema an die Zuschauer zu bringen um am Ende möglichst viele Punkte ab zu stauben. Wer überzieht hat noch 60 Sekunden Gnadenfrist danach wird schonungslos das Mikro abgeschaltet. Nach den ersten vier Präsentationen gibt es eine kleine Pause zum Beine vertreten oder um seinen Vorrat an Knabberzeug und Getränken am Ausschank des Cafés wieder auf zu stocken. Im Anschluss gibt es dann noch einmal drei Teilnehmer und die große Abstimmung durchs Publikum. Nach dem etwas kniffeligen Auszählungsprozess, denn im Dunkeln des Raumes sind die Punktetafel auf den zwei Etagen schwer zu erkennen, steht dann der Sieger fest: Leo Warnov Student der Mathematik konnte sich die entscheidenden extra Pünktchen vor Prof. Dr. Manske sichern und wird somit als Sieger des Abends gekürt.

Abbruch, Abmarsch und ins Bettchen

Für uns steht noch eine Runde schnelles Kabel und Gerätschaften einsammeln an, das Feedback welches uns vor Ort erreicht, ist erst einmal durchweg positiv. Die klamme Kälte, die nun vorherrscht seit dem die Sonne der klaren Nacht gewichen ist beschleunigt das Kabelwickeln dann noch einmal zusätzlich. Gute 50 Minuten später ist dann auch schon wieder alles als wäre nix geschehen und der Fortschrittsbalken des Kopiervorgangs am Schnittplatz füllt sich unaufhaltsam. Die nächsten Tage werden wir versuchen das Material möglichst schnell on Demand zur Verfügung stellen zu können. Vorne im Office gibt es derweil noch ein bissel informelles Aftershow-Chillen und irgendwann später am Morgen verschwinden dann alle nach Hause in ihre Bettchen und gönnen sich ihren wohlverdienten Schlaf.