Forschungsgemeinschaft elektronische Medien e.V.

Wenn der Strømingfant zweimal kommt

Der Kalender sagt Mitte Juni, das Wetter sagt April, der Buschfunk sagt Bergfest. Und für uns als Medienschaffende heißt das, dass es wieder Zeit für unsere fast schon zur Tradition gewordenen Übertragungen des Seifenkistenrennens und der Bergfestvorlesung ist - der Bergfest e.V. hat es sich gewünscht und wir hatten Lust zu. Also nach ein wenig Vorlauf am Montag schnell genug Leute dazu mobilisiert, Betsy voll gestopft mit tollen Sachen und los geht es... für ganze fünfundsiebzig Meter! Einmal kurz in die Eisen und den schon wartenden Technikerkollegen inkl. seiner PA im Funkbunker des hsf eingesammelt. Naja, auf Grund von chronischen Sitzplatzmangel muss er selber stiefeln, sein Pult aber nimmt der Beifahrer liebevoll auf den Schoß.
Nach ein paar hundert Metern sind wir dann auch schon angekommen und das auspacken auf der Wiese unterhalb des Humboldtbau geht los. Um eine gesunde Mischung aus Aufwand und Bedienkomfort zu nutzen, haben wir uns bei den Bildgebern für zwei unserer Kamerazüge und zwei unserer EB-Camcorder entschieden. Dort wo viele Kabel nur stören und auch noch viel Aufwand bedeuten würden, kommen die per Triax angeschlossenen Kameras zum Einsatz. Näher am Wagen setzen wir auf normales Koax und eine Audiofunkstrecke für das Intercom. Der Funk darf es sich heute mal mit Pult und Musikrechner in der zweiten Reihe gemütlich machen. Eigentlich läuft alles recht routiniert beim Strippenziehen. Geschickt passen wir die Vorlesungspause ab um an unsere Netzwerkdose zu huschen, rollen ein paar Kabel den Berg hinunter, ein paar andere den Berg hinauf, immer den Himmel im Blick, wann denn der kleine Nieselregen kommt, den der Wetterbericht für den Aufbau vorhergesagt hat. Aber es bleibt erst mal sonnig. Beim testen stellen wir dann fest, dass eine der Triaxleitungen, die eigentlich Aufwand sparen sollte, einen Wackler hat und getauscht werden muss. Pech nur, das die Austauschstrippe weit weg im Außenlager steht. Also müssen wir wen abkommandieren der, um bis zum Start des Probelaufs auch das behoben zu haben. Leider mangelt es nun etwas an der Reichweite an unserer Handkamera im Startbereich - nun ja, man kann halt nicht alles haben.

 

Und dann geht der Erste Lauf auch schon los und während eine Kiste nach der anderen den Berg mehr oder minder rasant hinunter saust, verdunkelt sich der Himmel immer mehr. Und so kommt es wie es kommen muss, pünktlich zur ersten Fahrt unserer iSTUFF-Sphinx öffnet sich der Himmel dann zum ersten mal. Geschickt schaffen wir es noch alle Taschen, Koffer und Kisten von der Wiese in oder unter dem Ü-Wagen in Sicherheit zu bringen. Wo kein passender Wetterschutz mit auf dem Berg gewandert ist decken wir PA und Kameras mit allem was sich so finden lässt notdürftig ab. Zum Glück bleibt es nicht zu lange nass von oben und so kann es nach einer kleinen Pause auch schon weiter gehen - diesmal mit dem Wertungslauf. Neu ist dieses Jahr, dass die A-Note für Geschwindigkeit und die B-Note für Gestaltung und Showfaktor der Kisten, einzeln gewertet werden.
Während es auf der Strecke um die Wurst geht, versucht derweil einer aus dem Team noch ein anderes organisatorisches Problem zu lösen. Denn noch etwas ist neu in diesem Jahr: das Rennen und die Bergfestvorlesung finden beide am selben Tag statt. Da uns die Umbauzeit zwischen den beiden Locations zu knapp erscheint, wollten wir eigentlich für die Vorlesung den Aufwand klein halten. Vielleicht nur eine Kamera und einen Encoder direkt oben drauf. Aber dann hatten doch einige Leute Lust darauf sich zu beteiligen, also warum das ganze nicht größer aufziehen. Um das entspannt zu erledigen war der ursprüngliche Plan, uns erneut einen HD-Bildmischer an der Uni zu leihen und damit relaxed eine Zusatzregie hinter dem Helmholtzhörsaal zusammen zu schustern. Aber daraus wurde leider trotz enormem Einsatz und viel Telefoniererei nix, weil keiner der Mischer zur Verfügung stand. Schade, aber so blieb also die Wahl zwischen dem Minimalsetup und ordentlich ranklotzen, sobald die letzten Ansprachen der Siegerehrung vorbei sein würden.

 

Zurück zum Geschehen auf dem Asphalt. Vielfältig waren die Kisten dieses Jahr, ohne Frage. Vom Amnesty-International-Kamel, über das Wohnzimmerkultursofa, bis hin zu den beiden die die B-Note unter sich ausmachen sollten: die liebevoll modellierte iSTUFF-Sphinx und der rollende Palast des BH-Clubs. Beide konnten mit viel Liebe zum Detail aufwarten. Während ein halbes Dutzend Unwürdiger den BHarao des Clubs huldigten, schwang sich sein Amtskollege von schräg gegenüber todesmutig selber auf den Rücken der Sphinx, die vom in ihr lebenden freiberuflichen Sklaven gelenkt wurde. In der Jury entbrannte eine hitzige Debatte darüber, wer die Nasenspitze vorne hat - da kam der erneute, nun auch deutlich heftigere, Regenschauer nur gelegen. Also wieder Pause, unsere Kameramenschen flüchten sich ins erst mal ins innere von Betsy - das restliche Streckenpublikum eher nach Hause. Nach 30 Minuten mit verregneten Panoramaimpressionen der Strecke, ging es dann endlich zur finalen Zeremonie. Und dieses Jahr hat es dann auch endlich geklappt: Sieger in der B-Notenwertung! Entsprechend ausgelassen feiert sich das Team unserer Kiste, zurecht, denn sie haben ja einiges an Zeit und Eifer in die (Um-)Gestaltung gesteckt.
Für uns heißt es nun spurten. Zwar ist das Zeitfenster nicht ganz so kritisch wie befürchtet, aber besonders das schon wieder auftretende Wasser von oben hilft bei der Motivation sich zu beeilen. Dieses mal wird alles recht überhastet ins innere gestopft, es muss ja nicht weit fahren...

 

Schiebeblende von unten links nach oben rechts: Dies sind die Abenteuer des neuen Raumschiff Broadcast. Mit seiner Crew aus fast nur neueren Gesichtern, ist es auf seiner Mission Vorlesungen zu filmen, die noch nie zuvor ein Mensch gefilmt hat.
Am Hinterhof des Helmholtz angekommen legt sozusagen die zweite Schicht los. Auch wenn ihr erster Plan vereitelt wurde, möchte man fast meinen das dies ihren Ehrgeiz nur noch mehr angespornt hat. Schnell sind die vier Signalleitungen für drei Kameras und einen Scanlineconverter gezogen, aber erst mal versperrt eine Tür den Weg. Denn noch herrscht Studiendisziplin im Inneren des Hörsaals. Erst 30 Minuten vor Beginn der Bergfestvorlesung kann die Mannschaft den Raum stürmen. Umso akribischer wird also alles machbare schon einmal im Vorfeld vorbereitet und konfiguriert. Pünktlich als die ersten Studierenden dann aus dem Saal hinaus schlappen, gucken sie nicht schlecht was ihnen da an motivierten Leuten mit Kameras und ähnlichem Gerät entgegen bricht. Schnell und zielstrebig ist so alles an Ort und Stelle. Größtes Problem ist mal wieder ein Laptop und digitale Videostandards. Denn anders als in der Erinnerung hat es hier nur einen DVI Eingang, unser Wandler hat aber natürlich nur das heute verbreitetere HDMI als Ausgang. Also Sprint Nummero Dos zum Office und einen passenden Adapter geholt, bis dann auch nur ganz wenige Flüche später an Beamer, Ü-Wagen und Laptop jeweils das passende Bild zu sehen ist. Mittlerweile steht alles quasi just in time. Und dann die mehr oder minder gute Nachricht, einer der Dozenten musste leider absagen und so haben wir eine halbe Stunde mehr Zeit bis es los geht... nun ja, wir atmen durch und warten.
Dann geht es los, während uns der erste Dozent über die typischen Ausprägungen des ilmenauer Ingenieurtums informiert, werden wir im zweiten Teil über die Optimierungsmöglichkeiten für den noch bevorstehenden Bierathlon aufgeklärt.

 

Am Ende der Veranstaltung freuen wir uns das alles gut geklappt hat und das auch viele der leicht in den Regen gekommenden Dinge wieder trocken sind. Auch draußen ist der Himmel nun soweit klar und so können wir dieses mal alles lehrbuchgerecht in den Wagen stapeln und gemütlich von dannen juckeln. Schnell noch am hsf ihre Anlage entladen und schwubs können wir gen Feierabend segeln, wenn da nicht bloß immer dieses lästige Ausladen am Office auf einen warten würde ... ;-)