Forschungsgemeinschaft elektronische Medien e.V.

Football is coming home

Bei unseren Streamingübertragungen hat Sport ja schon immer weit oben auf der Liste gestanden, da mag es rückwirkend doch ein wenig verwundern, dass wir erst jetzt - im Jahre 2016- zum ersten Mal Fußball übertragen. Genauer gesagt, die Halb- und Finalspiele der Ilmenauer Campusliga auf dem Sportplatz der Unisporthalle.

Planlos durch den Aufbau

Manchmal haben auch wir Events, wo man im Nachhinein einfach zugeben muss, dass die Planung schlecht gelaufen ist. Und dieses Event ist eins davon. Zwar haben wir uns schon Gedanken über das grobe Setup gemacht, aber vor Ort stellten wir fest, dass wir viele Dinge nur oberflächlich bedacht hatten. So zum Beispiel die Versorgung mit Strom. Zwar war uns klar, dass wir mit unseren 100m 16A-CEE-Kabeltrommeln nicht zu weit kommen werden, das sie am Ende aber gar nicht reichen würden war auch eine große Portion Pech. Eigentlich gibt es rund um den Sportplatz etliche Verteilerkästen, aber keiner davon stellte sich als für uns nutzbar heraus. Kandidat Eins, ca. 30m entfernt, entpuppte sich als Biotop für ein äußerst agiles Wespenvolk, bei dem wir es dann doch nicht drauf ankommen lassen wollten, den Stecker ohne Stiche hinein zu bekommen. Der zweite Kandidat, ca. 60m entfernt, hatte dagegen das Problem, dass dort nur ein 32A-Stromanschluss verfügbar war und wir aktuell nicht über einen passenden Adapterwürfel verfügen. Der dritte Kandidat, ca. 75m weit weg, beinhaltete dann gar keinen Anschluss sondern nur die Elektrik für die Beleuchtung. Die letzte Möglichkeit wäre eine uns, bereits von Events in der Sporthalle, gut vertraute Kraftstromdose im Gebäude, die wir mit ach und krach mit den Kabeln noch erreicht hätten. Aber hier vereitelte dann ein sich nicht öffnen lassen wollendes Fenster den Zugang. Also mussten wir mit haushaltsüblichen Schukosteckdosen auskommen, welche aber auch nur in der Turnhalle selber zu finden waren. Zum Glück konnten wir uns spontan vom hsf noch eine 200m-Trommel ausborgen und hatten so nach gut zweieinhalb Stunden des suchens und dreier Fehlschläge endlich genug Saft am Wagen um ihn einschalten zu können.

Auch beim Zugang zum Netzwerk hatte unser kollektives Planungshirn scheinbar ein paar Aussetzer, denn uns hätte eigentlich vorher klar sein sollen, dass bei weit über 100m Cat.5 Kabel plus der Inhausverkabelung der Turnhalle es höchst unwahrscheinlich ist, noch einen Link hinzubekommen. Also musste Spontan noch eine Glasfaserstrecke mit passenden Umsetzern aus unserem Außenlager geholt werden, was wieder einiges an Zeit fraß.
Ein bisschen ärgerlich war es zudem, dass wir bei den Absprachen mit der Campusliga aneinander vorbeigeredet haben und die Felder 90 Grad gedreht vorfanden, was uns bei den Kabellängen doch Probleme bereitete.
Eines der "Probleme" war zudem auch hausgemacht. Da es sich zeitlich anbot, nutzten wir die Gelegenheit die Teststellung des voraussichtlich nächsten FeM Bildmischers gleich mal in der Praxis auszuprobieren. Dadurch konnten wir mit einem Gerät beide Spielfelder abdecken. Eine Mischung kann so zukünftig gewohnt mit dem Bedienpanel gesteuert werden, während eine andere Mischung unabhängig davon mittels Software realisiert werden kann. So können z.B. Leinwandmixe oder ein zweites Spielfeld oder oder oder in Zukunft ad hoc, ohne den Aufwand eines zweiten Bildmischers wie bisher, umgesetzt werden. Für die Campusliga bedeutete dies aber leider, dass wir durch den improvisierten Aufbau einige Probleme generierten. Das Gerät tat das was es sollte, aber irgendwie spielte die Routinglogik im Wagen uns einen Streich, was in Kombination mit der späten Verfügbarkeit von Strom dazu führte, dass in den Halbfinalspielen noch Aufbau- und Konfigurationschaos herrschte. Auch die Personalplanung gestaltet sich so kurz vor dem Prüfungszeitraum als ungewohnte Lotterie. Am Ende gab es viele helfende Hände, bis kurz vorher war aber nur bedingt bekannt wer dazu gehörte. Auch brachen im Vorfeld einige Leute studienbedingt weg, was zwar unser vollstes Verständnis hat, aber halt dazu führte das deren Arbeit von anderen zusätzlich bewältigt werden musste.

Ende Gut alles Gut

Trotz der vielen kleinen und großen Pannen, lief es dann aber zum Finale doch noch ganz gut. So konnten wir einen schönen HD-Stream mit engagierten Kommentatoren bieten, was gleichzeitig auch noch von den Kollegen vom Funk aufs UKW und den Radiostream übernommen wurde und dort seine Zuhörer fand. Auch das wichtigste passte: die Stimmung im Team war gewohnt ausgelassen. So machte sowohl der Aufbau als auch das Einsammeln der Technik und der mehreren hundert Meter Kabelwege bei Flutlicht auf dem Platz genug Laune, dass es schnell erledigt war. Für die Zukunft haben wir viel gelernt, was es an dieser Location zu beachten gibt. Auch wenn sie gleich vor der Haustür liegt, hat sie etliche Stolperstellen parat, die es zu umschiffen gilt. Aber positiv denken, so können wir uns, wenn wir wieder hier produzieren, noch ordentlich steigern. Und es war eine der ersten Außenübertragungen, wo es Mutter Natur trotz vorhergesagten Regens am Nachmittag und Abend gut mit uns meinte und es nur ein paar kaum zu erwähnende Nieseltropfen gab.